Zum Inhalt springen

Quo vadis WoW

15. Februar 2011

frage ich mich ´mal wieder. Cataclysm wurde bekanntlich als Addon angekündigt, dass einige „Fehler“ von WotLK ausgleichen sollte. Der Schwierigkeitsgrad sollte angehoben werden, neue Mechaniken sollten implementiert werden, nervige Fehler ausgemerzt werden. Ob dies gelungen ist, wird an anderer Stelle ausführlich diskutiert und wie so oft, könnten die Meinungen nicht gegensätzlicher sein. Ich persönliche finde ja den 15% – buff, soweit der DF genutzt wird, eher suboptimal – eben eine kurzfristige „Lösung“ für ein im Kern mieses feature – eben den DF (sagte ich schon, dass ich diesen nicht mag?^^) Über bestimmte nerfs und buffs von Klassen und speccs kann ich mich nur noch wundern, aber so lange die Bosse umfallen soll mir das auch egal sein und das alles ist ja auch nichts neues. Die heros sind immer noch halbwegs spannend, denn auch wenn man mit 350+ gear mittlerweile ganz zügig durchrauschen kann, ist der Schwierigkeitsgrad noch angenehm weit von WotLK-HCs entfernt. Die Raidinis sind aus meiner Sicht nicht anspruchsvoller als Ulduar, teilweise aber mit sehr netten encountern (gut, den ein oder anderen Nervboss hat´s natürlich auch). Also alles mehr oder weniger wie gehabt.

Thema soll auch mehr sein, wie es eigentlich um Blizz beziehungsweise WoW wirtschaftlich bestellt ist. Die eigenen Eindrücke dazu sind ja eher recht eingeschränkt, ´mal hört man davon, dass Spieler X wegen des „unzumutbaren“ Schwierigkeitsgrades aufgehört hat, der ein oder andere scheint das Spiel „durch“ zu haben, seit Ewigkeiten nur noch in grau auf der friendlist stehende Spieler tauchen plötzlich wieder auf, aber wie die Spielerzahlen sich tatsächlich entwickeln, bleibt doch eher undurchschaubar.

Licht in´s Dunkel könnte der jüngste Geschäftsbericht von Activision/Blizzard bringen.

http://investor.activision.com/releasedetail.cfm?ReleaseID=548900

Nun, was ist das eigentlich, was die company da veröffentlicht hat? Es handelt sich dabei um die Zusammenfassung der Finanzkennzahlen nach dem sog. GAAP-Standard. Sämtliche börsennotierten Unternehmen müssen in den USA nach diesem Standard berichten. Der Bericht dient vornehmlich dazu, dass Investoren in die Lage versetzt werden, sich einen fundierten Überblick über die Finanzlage des Unternehmens zu machen. Er ist im Unterschied zu einem nach deutschem Recht zu erstellenden HGB-Abschluss nicht Grundlage für die Ermittlung der Steuerlast, ermittelt also nicht den tatsächlichen Gewinn zur Bemessung der Steuerlast, sondern berücksichtigt aperiodische Umstände und Sondereffekte, da er schlicht in die Zukunft gerichtet wird.

Um Investoren einen weit gefächerten Überblick zu geben, enthalten derartige Informationen neben der GAAP-Berichterstattung aber auch eine sog. non-gaap-Übersicht, die nicht bereinigt ist um Sondereffekte. Dies muss man verstehen, um das Jahresergebnis eines Unternehmens beurteilen zu können.

So, wie sieht es denn aus?

Blizzard hat per 31.12.2010 mehr als 12 Millionen aktive WoW-accounts. Das Addon wurde im ersten Monat mehr als 4,7 Millionen mal verkauft. Gut, das sind Blizzard-Zahlen, aber wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein derartiger Bericht unter Beobachtung der amerikanischen Finanzbehörden steht, halte ich den „Überteibungsfaktor“ für eher gering.

Was sagen die sonstigen Zahlen?

ActivisionBlizzard hat sein operatives Ergebnis im Vergleich von 2009 zu 2010 um 137 Millionen $ steigern können, also um mehr als 10 %, ganz nett. Wo kommt das her? Diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten, immerhin wird in dem Bericht nach einzelnen Sparten unterschieden, eine davon nennt sich MMORPG. Da mir nicht bekannt ist, dass Blizz neben WoW derzeit weitere MMORPGs am Start hat, gehe ich davon aus, dass die Sparte MMORPG eins zu eins mit WoW gleich zu setzen ist.

Als Netto-Einnahmen sind in der Sparte MMORPG für 2010 nach GAAP-Standard 1.230 Mio $ aufgeführt. Für 2009 nach dem gleichen Standard 1.248 Mio. $. Aha, die Netto-Einnahmen sind also zurück gegangen! Nuja, so einfach ist es dann doch nicht. Erinnern wir uns, der GAAP-Standard behandelt Sondereffekte anders als z.B. ein HGB-Abschluss, der der Ermittlung des steuerrelevanten Jahresergebnisses dient.

Also greifen wir auf die berichteten non-gaap-Zahlen zurück. Danach konnte die Sparte MMORPG die Netto-Einnahmen im Vergleich von 2009 (1.155 Mio. $) um 266 Mio. $ zu 2010 (1.421 Mio. $) erhöhen. Woher kommt das? Auch darüber geben die Zahlen recht gut Aufschluss, da auch das letzte Quartal in 2010 isoliert berichtet wird. Danach konnte die Sparte MMORPG die Netto-Einnahmen im Vergleich des 4. Quartals 2009 (321 Mio. $) zum 4. Quartal 2010 (544 Mio. $) um 223 Mio. $ steigern. Dabei dürfte es sich genau um den Sondereffekt handeln, der in dem GAAP-Bericht nicht auftaucht und alle, die sich irgendwie damit auskennen, wissen, dass es sich dabei nur um die Verkaufserlöse des Addons bzw. um gestiegene Abo-Zahlen aus Rückkehrern (ich z.B^^) handeln kann.

Das passt im Übrigen auch zu den Vorquartalszahlen:

1-3/2010                 297 Mio. $

4-6/2010                289 Mio. $

7-9/2010                282 Mio. $

Unterstellt man, dass WoW mit Cataclysm die Abo-Zahlen aus dem 1. Quartal wieder erreicht hat, ergeben sich Nettoeinnahmen in Höhe von 247 Mio. $ für den Verkauf des Addons, macht bei 4,7 Mio. verkauften Einheiten (wobei hier noch einige abzuziehen sein dürften, weil diese sich im Januar 2011 verkauft haben dürften) einen Stückpreis von 53 $. So teuer ist cataclysm aber nicht, so dass sich zwingend die Schlussfolgerung aufdrängt, dass die Abo-Zahlen im Vergleich zum 1. Quartal eher angestiegen sind.

Fazit: Für Blizz ist Cataclysm eine Erfolgsstory und ich kann aus den Zahlen einen Rückgang der Abo-Zahlen nicht erkennen. Wie lange Cataclysm die Spieler binden kann, kann ich nicht prognostizieren. Aus meiner Sicht kann es die Spieler länger als WotLK binden, allerdings hat Blizz mit WotLK auch ein ganz schlechtes Timing bewiesen.

Man darf gespannt auf die nächsten Quartalszahlen sein.

2 Kommentare
  1. Sehr interessant. Und vor allem sehr aufschlussreich erklärt, danke dafür. Denn Deine Erklärungen und Schlussfolgerungen stehen im krassen Gegensatz zu dem, was uns ein bestimmter Blogger immer verkaufen/erklären will :-).

    lg

    Kai

    • Nuja, es steht ja jedem frei, welche Schlussfolgerungen er/sie aus den Geschäftsbericht-daten zieht, btw, heute zufällig bei Saturn gewesen, rate ´mal, welches game auf Platz 1 der Verkaufscharts steht^^
      Grüße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: